Fünf Jah­re nach der Flut­ka­ta­stro­phe 2021: Wel­che Leh­ren Haus­ei­gen­tü­mer heu­te zie­hen soll­ten

Stark­re­gen und Hoch­was­ser sind kei­ne Aus­nah­me mehr – son­dern Teil einer neu­en Rea­li­tät

Die Flut­ka­ta­stro­phe im Juli 2021 zählt zu den schwers­ten Natur­er­eig­nis­sen der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te. Inner­halb weni­ger Stun­den ver­wan­del­ten extre­me Nie­der­schlä­ge Bäche und Flüs­se in rei­ßen­de Strö­me. Tau­sen­de Gebäu­de wur­den beschä­digt oder voll­stän­dig zer­stört, gan­ze Ort­schaf­ten stan­den unter Was­ser und zahl­rei­che Men­schen ver­lo­ren ihr Zuhau­se oder sogar ihr Leben.

Auch wenn vie­le Regio­nen heu­te wie­der auf­ge­baut sind, bleibt eine wich­ti­ge Erkennt­nis: Extre­me Stark­re­gen­er­eig­nis­se kön­nen grund­sätz­lich über­all auf­tre­ten – unab­hän­gig davon, ob sich ein Gebäu­de in unmit­tel­ba­rer Fluss­nä­he befin­det oder nicht.

Die Ereig­nis­se von 2021 haben ein­drucks­voll gezeigt, dass klas­si­sche Hoch­was­ser­kar­ten allein nicht aus­rei­chen, um das per­sön­li­che Risi­ko rea­lis­tisch ein­zu­schät­zen. Ober­flä­chen­was­ser, über­las­te­te Kanal­net­ze und Rück­stau kön­nen nahe­zu jedes Gebäu­de tref­fen.

Der aktu­el­le Pra­xis­leit­fa­den des Deut­schen Insti­tuts für Urba­nis­tik (Difu) und des For­schungs­ver­bunds KAHR beschreibt des­halb den Wie­der­auf­bau als Chan­ce, Gebäu­de und Kom­mu­nen lang­fris­tig wider­stands­fä­hi­ger zu gestal­ten. Statt ledig­lich den ursprüng­li­chen Zustand wie­der­her­zu­stel­len, soll­ten Risi­ken künf­tig sys­te­ma­tisch redu­ziert wer­den (“Buil­ding Back Bet­ter”).

Die wich­tigs­te Leh­re: Vor­sor­ge beginnt lan­ge vor dem nächs­ten Stark­re­gen

Vie­le Eigen­tü­mer beschäf­ti­gen sich erst mit Hoch­was­ser­schutz, wenn bereits Was­ser in den Kel­ler ein­ge­drun­gen ist.

Dabei las­sen sich zahl­rei­che Schä­den bereits durch vor­beu­gen­de Maß­nah­men deut­lich redu­zie­ren.

Beson­ders wich­tig sind:

  • eine objekt­be­zo­ge­ne Risi­ko­be­wer­tung
  • funk­tio­nie­ren­der Rückstau­schutz
  • geeig­ne­te Hoch­was­ser­schutz­sys­te­me
  • regel­mä­ßi­ge War­tung tech­ni­scher Anla­gen
  • aus­rei­chen­der Ver­si­che­rungs­schutz

Je frü­her Risi­ken erkannt wer­den, des­to ein­fa­cher und kos­ten­güns­ti­ger las­sen sie sich häu­fig mini­mie­ren.

Wie hoch ist das Risi­ko für mein Gebäu­de?

Eine der häu­figs­ten Fehl­ein­schät­zun­gen lau­tet:

Ich woh­ne nicht am Fluss – mich betrifft Hoch­was­ser nicht.

Die Rea­li­tät sieht heu­te anders aus. Stark­re­gen führt häu­fig dazu, dass gro­ße Was­ser­men­gen ober­ir­disch über Stra­ßen, Ein­fahr­ten und Grund­stü­cke abflie­ßen. Gleich­zei­tig sto­ßen öffent­li­che Kana­li­sa­tio­nen bei Extrem­ereig­nis­sen schnell an ihre Kapa­zi­täts­gren­zen.

Fol­gen­de Fra­gen soll­ten sich Eigen­tü­mer stel­len:

  • Liegt mein Gebäu­de in einer Gelän­de­sen­ke?
  • Kann Was­ser über Hof­ein­fahr­ten oder Kel­ler­ab­gän­ge ein­drin­gen?
  • Sind Licht­schäch­te aus­rei­chend geschützt?
  • Gibt es boden­tie­fe Fens­ter oder Türen?
  • Ist eine funk­tio­nie­ren­de Rück­stau­si­che­rung vor­han­den?
  • Wur­de das Gebäu­de bereits frü­her über­flu­tet?

Eine pro­fes­sio­nel­le Risi­ko­ana­ly­se schafft hier Klar­heit und bil­det die Grund­la­ge für ein indi­vi­du­el­les Schutz­kon­zept.

Rück­stau­si­che­rung – der oft unter­schätz­te Gebäu­de­schutz

Wäh­rend vie­le Men­schen beim The­ma Hoch­was­ser an Flüs­se den­ken, ent­ste­hen erheb­li­che Schä­den durch Rück­stau aus dem öffent­li­chen Kanal­netz.

Kann Regen­was­ser nicht mehr über die Kana­li­sa­ti­on abge­führt wer­den, steigt der Was­ser­spie­gel im Kanal an. Ohne geeig­ne­te Rück­stau­si­che­rung drückt das Was­ser über Boden­ab­läu­fe, Toi­let­ten oder Wasch­be­cken zurück in das Gebäu­de.

Die Fol­gen rei­chen von durch­näss­ten Kel­lern über zer­stör­te Hei­zungs­an­la­gen bis hin zu erheb­li­chen Schä­den an der Bau­sub­stanz.

Eine fach­ge­recht geplan­te und regel­mä­ßig gewar­te­te Rück­stau­si­che­rung gehört des­halb heu­te zu den wich­tigs­ten Schutz­maß­nah­men für pri­va­te Wohn­ge­bäu­de.

Hoch­was­ser­schutz endet nicht an der Haus­tür

Jedes Gebäu­de besitzt indi­vi­du­el­le Schwach­stel­len.

Beson­ders häu­fig betrof­fen sind:

  • Kel­ler­fens­ter
  • Licht­schäch­te
  • Tief­ga­ra­gen
  • Haus­ein­gän­ge
  • Ter­ras­sen- und Bal­kon­tü­ren
  • Gara­gen
  • Kel­ler­trep­pen
  • Lüf­tungs­öff­nun­gen

Je nach Objekt kom­men unter­schied­li­che Lösun­gen infra­ge – bei­spiels­wei­se mobi­le Hoch­was­ser­schutz­sys­te­me, Damm­bal­ken­sys­te­me, Modul­bau­plat­ten, Hoch­was­ser­fens­ter oder druck­was­ser­dich­te Türen.

Wich­tig ist dabei immer eine objekt­spe­zi­fi­sche Pla­nung statt einer Stan­dard­lö­sung.

Ver­si­che­rungs­schutz: Was Eigen­tü­mer wis­sen soll­ten

Neben tech­ni­schen Schutz­maß­nah­men spielt auch der Ver­si­che­rungs­schutz eine ent­schei­den­de Rol­le. Vie­le Haus­ei­gen­tü­mer gehen davon aus, dass Was­ser­schä­den auto­ma­tisch über ihre Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung abge­si­chert sind. Das trifft jedoch nicht in jedem Fall zu.

Schä­den durch Stark­re­gen, Hoch­was­ser oder Über­schwem­mung sind häu­fig nur dann ver­si­chert, wenn zusätz­lich eine Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung besteht.

Eigen­tü­mer soll­ten daher regel­mä­ßig prü­fen:

  • Wel­che Schä­den sind tat­säch­lich ver­si­chert?
  • Sind Über­schwem­mung und Rück­stau ein­ge­schlos­sen?
  • Ent­spricht die Ver­si­che­rungs­sum­me dem heu­ti­gen Gebäu­de­wert?
  • Wur­den Moder­ni­sie­run­gen berück­sich­tigt?
  • Wel­che Pflich­ten zur Scha­den­ver­mei­dung bestehen?

Ein Gespräch mit dem Ver­si­che­rer schafft hier Klar­heit.

Prä­ven­ti­on ist wirt­schaft­li­cher als Sanie­rung

Die Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re zei­gen deut­lich: Die Kos­ten einer pro­fes­sio­nel­len Vor­sor­ge lie­gen in den meis­ten Fäl­len deut­lich unter den Fol­ge­kos­ten eines Hoch­was­ser­scha­dens.

Neben den rei­nen Repa­ra­tur­kos­ten ent­ste­hen häu­fig zusätz­li­che Belas­tun­gen durch:

  • Trock­nungs­maß­nah­men
  • Schim­mel­bil­dung
  • Ersatz­un­ter­künf­te
  • Nut­zungs­aus­fäl­le
  • Wert­ver­lust der Immo­bi­lie
  • lan­ge Sanie­rungs­zei­ten

Wer früh­zei­tig inves­tiert, schützt nicht nur sein Gebäu­de, son­dern auch sei­ne per­sön­li­che Lebens­qua­li­tät.

Unser Fazit

Die Flut­ka­ta­stro­phe 2021 hat Deutsch­land nach­hal­tig ver­än­dert. Sie hat gezeigt, wie ver­letz­lich Gebäu­de und Infra­struk­tu­ren gegen­über extre­men Wet­ter­ereig­nis­sen sein kön­nen.

Die wich­tigs­te Leh­re lau­tet des­halb nicht, auf das nächs­te Hoch­was­ser zu war­ten – son­dern heu­te aktiv vor­zu­sor­gen.

Eine fun­dier­te Risi­ko­be­wer­tung, funk­tio­nie­ren­de Rück­stau­si­che­rung, geeig­ne­te Hoch­was­ser­schutz­sys­te­me und ein pas­sen­der Ver­si­che­rungs­schutz bil­den gemein­sam die Grund­la­ge für einen wirk­sa­men Gebäu­de­schutz.

Bei Hoch­was­ser­pro­fi unter­stüt­zen wir pri­va­te Eigen­tü­mer, Unter­neh­men und Kom­mu­nen dabei, indi­vi­du­el­le Risi­ken zu erken­nen und pas­sen­de Schutz­maß­nah­men zu ent­wi­ckeln – bevor aus Stark­re­gen ein Scha­den wird.

Kos­ten­lo­se Check­lis­te: 10 Maß­nah­men zur Eigen­vor­sor­ge

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